Sonntag, 3. April 2011

Lautes Herz.

Daran erkennen wir, dass wir aus der Wahrheit sind, und können unser Herz vor ihm zum Schweigen bringen, dass, wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge.
(1. Johannes 3, 19 - Luther)

Oft ist es so, und besonders die Psalmen erzählen davon, dass andere Menschen uns Unrecht tun und nicht die Wahrheit sagen und wir darunter leiden. In unserer Welt gehört er „zum guten Ton“ die Wahrheit zu verschönern oder abzuschwächen, wegzulassen oder zu verändern. Wir sind das gewohnt von der Welt um uns herum und wissen auch, dass Gott das nicht gut findet. Gott ist die Wahrheit und die Wahrheit ist Licht und im Licht gibt es keine Finsternis.

Schön und gut. Aber in dem Vers aus dem Brief von Johannes geht es ja nicht um „die Böse Welt“. Es geht um unser Herz. Und Herz, dass uns verdammt und uns verurteilt. In anderen Übersetzungen ist von dem Gewissen die rede, wenn unser Gewissen uns anklagt. Ich weiß nicht, wie es dir geht, wie oft du ein schlechtes Gewissen hast, obwohl du weißt, dass du gerade das Richtige tust. Oder das Gefühl, dass dein Herz sich mit Händen und Füßen gegen das wehrt, was du gerade tust. Vielleicht weil es gegen deine Gewohnheiten geht oder gegen das, was sich eigentlich besser anfühlt.

Mein Herz ist manchmal ganz schön laut und fordert viel Aufmerksamkeit und will besonders gerne Recht haben. Aber nicht immer hat es Recht. Manchmal sehen wir mit dem Herzen nicht gut, weil wir verletzt und enttäuscht sind. Und manchmal macht unser Herz uns selbst fertig. Wir fühlen uns nicht gut genug, nicht stark genug, nicht schön genug, nicht schlau genug. Wir fühlen uns unfähig zu dem, wozu wir berufen sind. Weil unser Herz es uns sagt. Und weil unser Herz beeinflusst wird von der Welt um uns herum, von allem was es das ganze Leben lang schon ertragen hat. Und es wird von Satan, dem Teufel, dem Feind beeinflusst, der besonders große Freude daran hat, wenn wir uns schlecht und nichtig fühlen und uns nicht an die Wahrheit halten, die Gott uns gibt.

Aber Johannes schreibt, dass wir unser lautes Herz zum schweigen bringen können, wenn wir auf der Seite der Wahrheit stehen (Übersetzung NGÜ), weil Gott, der die Wahrheit ist, größer ist als unser Herz, sei es auch laut und ungestüm. Gott ist größer als alles das. Und er kennt unser Herz und er kennt es nicht nur, er liebt es auch. Und er erkennt alle Dinge darin, besonders die Guten. Und auch wenn unser Herz total dreckig ist und kaputt und mit Narben übersät. Gott nimmt dein Herz, macht es sauber und bringt es zum schweigen, wenn du auf Gottes Seite stehst.

Dieser Gedanke hat mich heute sehr bewegt.

Freitag, 25. März 2011

Mut macht's

Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark! 
(1. Korinther 16, 13- Luther)

Die Aussage, die Paulus hier in seinem Brief an die Korinther macht ist eine ganz schön starke Herausforderung. Egal was gerade in unserem Leben passiert: Sei es Krankheit, Niedergeschlagenheit, Jobverlust, Jobsuche, Streit, Trennung, Entfremdung, Ausgrenzung oder einfach nur ein schlechter Tag, an dem alles schief geht, was nur schief gehen kann und uns die Laune verdirbt – ein solcher Satz ist in vielen Situationen unpassend, zumindest auf den ersten Blick.

Wenn es uns schlecht geht, reagieren wir oftmals mit schlechter Laune. Wir sind frustriert. Schweigen vielleicht. Oder essen Schokolade oder verkriechen uns einfach in unser Bett, damit wie den ganzen Mist einfach verschlafen können. Hier stoßen wir schon auf das erste Hindernis, wenn wir uns nach Paulus richten: WACHET. Seid wach und wachsam, verschließt nicht die Augen, wendet euch nicht ab, gebt nicht auf. Sondern Seid wach und aufmerksam!

Wenn dann noch Dinge passieren, mit denen wir nicht zu recht kommen und die wir einfach nicht verstehen können, dann fangen wir an zu zweifeln. An uns selbst, an unserer Berufswahl, an unseren Freunden und Beziehungen und an Gott. Und wieder macht uns Paulus ein Strich durch die Rechnung und sagt: STEHT FEST IM GLAUBEN! Für mich heißt das so viel wie: Zweifelt nicht.

Wenn wir es dann auf die Reihe kriegen wach zu sein und nicht zu zweifel, dürfen wir dann wenigstens traurig sein, uns Sorgen machen und vielleicht auch jammern? Irgendwas menschliches muss man doch in einer solchen Situation tun dürfen, oder?
Paulus ist da anderer Meinung: SEID MUTIG UND SEID STARK. Das beinhaltet kein Angst und keine Schwachheit!

Natürlich, wir sind Menschen. Wir kriegen das vielleicht nicht alles so auf Anhieb hin. Sicherlich gibt es Situationen, in denen wir nicht all das sein können. Und wir dürfen auch traurig und bestürzt sein. Aber die Richtung sollte stimmen.

Wache ich oder schlafe ich eher?
Stehe ich fest im Glauben, oder bin ich doch lieber am zweifeln?
Bin ich mutig und stark oder doch eher ängstlich und auf der Seite der Schwachen?

Und letzten Endes wird uns Mut und Hoffnung viel weiter bringen als Angst und Zweifel.

Wer ein mutiges Herz hat, weiß sich auch im Leiden zu halten; wenn aber der Mut daniederliegt, wer kann's tragen? 
(Sprüche 18, 14 - Luther)

Mittwoch, 16. März 2011

Das kostet Überwindung

In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
(Johannes 16, 33 – Luther)

Was in den letzten Wochen in der Welt passiert, bewegt wohl jeden irgendwo. Nach den Aufständen in Ägypten und Libyen und anderen nordafrikanischen Ländern nun das Erdbeben und der Tsunami in Japan und daraus hervorgehend die atomare Katastrophe. So viel Leid. So viel Verlust. So viele Tote. So viel Angst.

Und auch im kleinen, im persönlichen Leben ist in diesem neuen Jahr so vieles, was aus dem Ruder läuft. Krankheiten wie Krebs greifen um sich, Menschen verlieren ihre Anstellungen und ihre Zukunftsperspektiven. Menschen sterben und wir bleiben in Trauer zurück.

Jesus sagt: In der Welt habt ihr Angst. Und wenn man mit all dem konfrontiert wird, kann man auch eigentlich kaum anders, als Angst zu haben. Es ist menschlich, dass uns die Umstände Furcht einflößen, dass wir uns Sorgen machen, dass wir Ängste haben und verunsichert sind. Jesus kann das verstehen, schließlich war er selber Mensch und trotz seines unglaublichen Gehorsams seinem Vater gegenüber hatte er auch Angst, spätestes als es auf seine Hinrichtung hinging.

Aber wieder sagt Jesus nicht: Es ist menschlich, also seid ihr entschuldigt und dürft euch in eurer Angst verstecken. Nein, er sagt: SEID GETROST! Oder nach anderen Übersetzungen: Seid guten Mutes! Lasst euch nicht entmutigen! Ihr braucht euch nicht zu fürchten! Wir sollen also gegen unsere Angst angehen und uns von ihr nicht beherrschen lassen.
Und warum nicht? Weil Jesus sagt: Ich habe die Welt überwunden. Oder: Ich habe die Welt besiegt.

Wir müssen also keine Angst haben, weil Jesus die Welt und die (schlimmen) Dinge, die in ihr passieren, besiegt und überwunden hat. Sie sind keine Bedrohung für ihn, weil er über ihnen steht. Und weil Gott auf unserer Seite ist, sind sie auch keine Bedrohung mehr für uns. Auch wenn es sich manchmal vielleicht anders anfühlt.

Ich musste dabei auch an die Jahreslosung denken:

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. 
 (Römer 12,21)

Wir sollen uns nicht von den Bösen, der Angst, überwinden und einschüchtern lassen. Mit Jesus, dem Gutem, können wir das Böse, alles was uns Angst macht, überwinden.

Und im Vergleich zu dem Bibelvers: Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. (1.Johannes 4,19) könnte man auch sagen: Lasst uns (das Böse/die Welt) überwinden, denn er (Jesus) hat es zuerst überwunden.

Natürlich ist das nicht einfach, vor allem nicht in Zeiten wie diesen. Aber wenn wir uns Jesus als Vorbild nehmen, sollten wir es hinkriegen, denn er wird es uns ermöglichen.

Danke fürs Lesen.

Montag, 21. Februar 2011

Geduldsprobe.

Da trat Petrus zu ihm und fragte: „Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal?“ Jesus sprach zu ihm: „Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.“
Matthäus 18,22+23 ( Luther )

In der vergangenen Woche sah ich mich in unterschiedlichen Situationen von mir selbst und von anderen Menschen mit den Frage konfrontiert: Was muss ich mir bieten lassen? oder Wie lange soll das noch so weiter gehen? oder Wann darf mir als Christ eigentlich der Geduldsfaden reißen?
Ich weiß nicht, ob du über solche Fragen auch schon mal gestolpert bist, aber ich glaube, jeder hatte schon mal solche Gedanken.

Es gibt Situationen im Leben, die all unsere Nerven, unsere Geduld, unsere Liebe, unsere Nachsicht, unser Verständnis, unser Mitgefühl, unsere Ausdauer strapazieren und rauben. Vielleicht weil wir eine insgesamt stressige Woche haben, viele Termine, kaum Ruhe und schon gar keine Kapazitäten für Störfaktoren. Oder jemand anderes hat eine schwierige Zeit und wir kriegen das meiste von unausgeglichenen Launen und negativen Einstellungen ab. Oder wir rasseln einfach mit jemanden zusammen, den wir sowie so immer grundsätzlich eher anstrengend finden, der heute aber auch besonders nervig war.. Witzigerweise sind diese Eigenschaften (Geduld, Liebe, Nachsicht, Mitgefühl) die, auf die wir am aller meisten angewiesen sind und gleichzeitig haben wir von denen meistens, wenn überhaupt, nur den Mindestbestand auf Lager. Von irgendwo müssen solche Sprüche wie „Herr, schenke mir Geduld – SOFORT.“ ja herkommen.

Es ist menschlich, dass wir mit manchen Leuten nicht auskommen. Es ist auch menschlich (auch wenn das traurig ist), dass wir uns gegenseitig anklagen, verletzen und verleugnen. Es ist menschlich, dass wir die Geduld verlieren, kein Verständnis und Mitgefühl mehr aufbringen können und in solchen Situationen meistens schon gar nicht so etwas wie Liebe. Es ist menschlich, dass wir sagen: „Der Mensch hat mich schon so oft verletzt, der kann mich mal. Ich geh ihm aus dem Weg, denn ich will nicht noch mehr verletzt werden. Der lernt es ja eh nie. Der sieht ja gar nicht, dass er mir weh tut. Ich habs ihm schon tausendmal gesagt. Aber der hört ja nicht.“ Es ist alles menschlich.

Und was antwortet Jesus? Es reicht nicht, wenn wir sieben mal vergeben. Es reicht nicht. Wir können und sollen nicht sagen: Sieben mal und dann ist vorbei. Klappe zu. Affe tot.

Nein, Jesus, der selbst zwar Mensch war und deswegen all unsere menschlichen Gefühlslagen und Ansichten nachvollziehen kann, sagt: Nicht siebenmal. Sondern Siebzig mal siebenmal.
Das wären ausgerechnet 490 mal. 490 mal EIN UND DER SELBEN PERSON vergeben. Wenn man jetzt mal ganz genau sein möchte hieße das, dass man einer Person ein Jahr und ca. fünf Monate jeden Tag einmal vergeben könnte.
Und dann?
Soweit ich weiß, wollte Jesus mit diesem „siebzigmal siebenmal“ sagen, dass wir nie genug vergeben können. Es gibt kein Ende. Es gibt auch keinen Grund, um nicht zu vergeben.
Natürlich ist das krass. Natürlich tun Verletzungen weh und natürlich fühlen wir uns nicht danach immer und immer und immer wieder zu vergeben.
Aber hier geht es auch nicht um unsere menschlichen Gefühle sondern um GOTTES Sicht der Dinge. Weil Gott Verletzungen heilen kann, weil Gott uns alles, alles vergibt und weil Gott Dinge verändern kann, können und sollen wir auch vergeben. Und immer wieder. Und immer wieder.

Gott sei Dank, dass er nicht sagt: Ok, siebenmal hast du was gemacht, was mich traurig macht und mich verletzt und bestürzt. Jetzt reichts, aus vorbei. Es gibt keine Vergebung mehr für dich.

Gott vergibt uns unendlich. Und wir sollten es ihm nachmachen.

Freitag, 4. Februar 2011

Wer hat Angst vorm finstern Tal?

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. 
(Psalm 23, 4)

Der Psalm 23, das Lied über den guten Hirten, ist wohl eine der bekanntesten Stellen aus der Bibel. Viele Menschen lernen ihn irgendwann mal auswendig und besonders die Version von Luther ist (zumindest für mich) sehr einprägsam.
Eigentlich kann man über jeden Satz aus diesem Psalmen einen Text schreiben, angefangen von „Der Herr ist mein Hirte“ bis hinzu „Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“ Ich mag diesen Psalm wirklich gerne.

Aber ich hab mir heute Vers 4 ausgesucht, den „düstersten“ Vers des Psalms und möchte ein paar Gedanken dazu äußern.
David, der Verfasser, stellt zu Beginn des Satzes zunächst eine Aussage fest: Es gibt Zeiten im Leben die sind so dunkel und so finster und so tief, dass man sich theoretisch wirklich fürchten könnte. Ich finde das Wort „fürchten“ klingt immer etwas „niedlich“. Aber wenn man sich in einem „Tal des Todesschatten“ (Übersetzung Elberfelder) befindet, dann hat man Angst. Todesangst. Verlustangst. Angst vor der Dunkelheit. Angst vor Gefahren. Angst vor Schmerzen. Angst vor der Einsamkeit. So wie David es hier formuliert, ist es ganz klar, dass wir durch solche Täler gehen. Und manchmal sind diese Täler für uns eher Schluchten, die sich plötzlich vor uns auftun.
Aber David sagt nicht: Und wenn ich auch wandere durchs finstre Tal, dann habe ich schreckliche und berechtigte Angst. Nein, er sagt: (DANN) FÜRCHTE ICH KEIN UNGLÜCK.
Kein Unglück. Bedeutet das, dass wir kein Schmerz, keinen Tod, keinen Verlust zu erleben haben?
Nein. Es bedeutet, dass wir kein UNGLÜCK dabei haben werden.
Und warum nicht? Weil Gott bei uns ist.

WEIL er uns begleitet in die Dunkelheit.
WEIL er uns trägt durch die Schmerzen.
WEIL er uns tröstet in unserem Leid.

Weil sein Stecken und sein Stab uns beschützen und uns auf dem rechten Weg halten.

Ich kann nicht anders, als es immer wieder zu sagen: Gott ist bei mir. Gott ist bei dir. Gott ist bei uns. Egal wie dunkel es um uns herum ist, er ist immer da und er passt auf und auf. Und wir haben keinen Grund uns zu fürchten, auch wenn uns alles um uns herum Angst einjagen will und kann und auch wenn unsere Umstände so sind, dass jede Angst berechtigt wäre. Wir brauchen keine Angst zu haben, weil Gott bei uns ist. Was ist das für ein Privileg in einer so grausamen und erschreckenden Welt.

Mittwoch, 19. Januar 2011

Der Mensch und die Ameise

"Aber wenn ihr ihn um etwas bittet, sollt ihr vorher den Menschen vergeben, mit denen ihr nicht zurecht kommt. Dann wird euch der Vater im Himmel eure Schuld auch vergeben."
 (Markus 11, 25 - Hoffnung für alle)

Der Mensch ist eine sehr eigenes Geschöpf. Und der Mensch unterscheidet sich in vielen Punkten von den Tieren. Trotzdem gibt es immer wieder Aussagen, in denen der Mensch mit einem Tier verglichen wird. Wie zum Beispiel in Matthäus 10,6 steht: „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“ Und sicherlich gibt es noch viel mehr solcher Vergleiche. Selten jedoch wird der Mensch mit der Ameise verglichen, obwohl es da einige Gemeinsamkeiten gibt. Ameisen sind klein und fleißig. Sie haben ihr eigenes Staatssystem und verstehen sich in Teamwork. Und auch der Mensch ist, im Verhältnis zum Universum, ziemlich klein und meistens fleißig. Wir haben sogar unterschiedliche Staatssysteme und manchmal wissen wir auch was Teamwork ist. Da würden sich also schon ein paar Vergleichspunkte finden. Aber ich bin auf den Vergleich in einem ganz anderen Zusammenhang gekommen: Die Spezies Mensch ist oftmals sehr nachtragend.

Wir tragen anderen Menschen das hinter her, was sie gemacht haben. Es kommt zum Streit zwischen zwei Personen, man fühlt sich verletzt, missverstanden oder unfair behandelt. Die Worte unseres Gegenübers bleiben uns im Kopf hängen, wir denken darüber nach wenn wir schlafen gehen und wenn wir aufwachen und erwähnen es vielleicht sogar, wenn wir mit jemand dritten darüber reden. Worte können so viel Verletzung anrichten, dass ist einem selten wirklich bewusst. Aber wir tragen es mit uns herum. Manchmal ein paar Tage, manchmal Jahrzehnte.
Und damit werden wir zu Ameisen. Ameisen können bis zum Fünfzigfachen ihres eigenen Körpergewichtes tragen. Und wir tragen meistens mindestens das Doppelte von dem, was uns zusteht, nämlich nicht nur unsere eigene Schuld, sondern auch noch die der anderen. Wir schleppen alles Unrecht mit uns, was wir anderen angetan haben und was andere uns angetan haben.

Jetzt kann man natürlich sagen: Ich bin Christ und weiß und glaube, dass Jesus mir meine Schuld vergeben hat und mich davon befreit. Das ist auch eine wichtige Sache. Aber ich kenne viele Christen, mich eingeschlossen, die trotzdem weiter die Schuld der anderen mit sich herum tragen. Vielleicht kommt es einem manchmal auch einfacher vor, Gott um Vergebung der eigenen Schuld zu bitten, als anderen Menschen zu vergeben, die einen verletzt haben. Und man kommt deswegen nicht los von der Last, die man zusätzlich trägt. Jesus sagt: „Aber wenn ihr ihn um etwas bittet, sollt ihr vorher den Menschen vergeben, mit denen ihr nicht zurecht kommt. Dann wird euch der Vater im Himmel eure Schuld auch vergeben.“ Die Herausforderung keine Ameise zu sein besteht also nicht darin, dass Gott uns unsere Schuld vergibt, sondern dass wir den anderen Menschen vergeben und damit von beiden Lasten befreit werden. Es ist wirklich eine Herausforderung, aber es ist sicherlich besser, als sein Leben als Ameise zu verbringen und irgendwann unter den Lasten zusammenzubrechen.


Dienstag, 18. Januar 2011

Im Verborgenen

„Wenn du beten willst, geh in dein Zimmer, schließ die Tür, und dann bete zu deinem Vater, der ´auch` im Verborgenen ´gegenwärtig` ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dich belohnen.“
(Matthäus 6, 6 – Neue Genfer Übersetzung)

Heute geht es mir noch einmal um das Beten. Der ausgesuchte Vers ist sicherlich einigen bekannt, er wird von Jesus in der Bergpredigt gesagt, kurz bevor er das „Vater Unser“ weitergibt.

Dass beten wichtig ist, ist uns ja eigentlich klar. Welche Wirkung Gebet haben kann, würden wir manchmal vielleicht gerne noch mehr sehen und sind uns der Wirkung vielleicht nicht immer bewusst. 

Manchmal gibt es Situationen, in denen es einem schwerfällt zu beten. Vielleicht, weil man so erschüttert ist über ein Ereignis, dass man keine Worte findet. Oder es sind Dinge, über die man beten will oder sollte, die einem auf dem Herzen liegen, die man aber nicht auszusprechen wagt.
Ich bin davon überzeugt, dass eine „Gebetsgemeinschaft“ gut ist – wenn also Menschen zusammensitzen und beten und ihre Anliegen miteinander teilen und füreinander beten. Ebenso bin ich aber auch davon überzeugt, dass es wichtig ist „ins stille Kämmerlein“ zu gehen und ganz allein mit Gott im Gespräch zu sein.

Was mich im Moment aber am meisten fasziniert an dem Vers ist die Aussage, dass Gott auch im Verborgenen gegenwärtig ist und das Verborgene sieht. In der Übersetzung Hoffnung für alle heißt es: „Und dein Vater, der selbst deine geheimsten Gedanken kennt, wird dich erhören.“ Gott kennt unsere Gedanken, unsere Sorgen und Ängste und er hört die Gebete aus unserem Herzen, die wir nicht formulieren können oder wollen. Er braucht keine großen Worte und öffentliche Gebetskreise. Gott sieht unser Herz und er wird unsere Bitten erhören, egal ob wir sie aussprechen oder nicht. Es tut so gut das zu wissen. Besonders in Zeiten, in denen es einen wirklich die Sprache verschlägt.

Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird geöffnet.
(Matthäus 7, 8 – Neue Genfer Übersetzung)